Arnd Zeigler ist ein deutscher Moderator, Journalist, Autor und Sänger. Außerdem ist er seit 2001 Stadionsprecher bei Werder Bremen. Seit 2007 läuft seine eigene Sendung "Zeiglers wunderbare Welt des Fußballs" im Sonntag-Abendprogramm des WDR-Fernsehens. Am 17. September ist er zu Gast im Heidenheimer Lokschuppen. Tickets zur Show sind HIER erhältlich. Wir haben uns vorab mit ihm unterhalten.
Servus Arnd, Du kommst mit „Immer Glück ist Können“ am 17. September in den Heidenheimer Lokschuppen. Was erwartet Besucher und FCH Fans, die Dich bisher vor allem aus „Zeiglers wunderbarer Welt des Fußballs“ kennen, bei Deinem Live-Programm?
"Nach meinem Auftritt in Schwennningen vor ein paar Wochen habe ich in einer Nachbesprechung einen Satz über mich gelesen, den ich als wunderschönes Kompliment aufgefasst habe: „Ich habe selten nach einer Veranstaltung hier so viele Männer mit Herzen in den Augen aus der Halle gehen sehen.“ Ich will den Leuten einen schönen Fußballabend bereiten, an dessen Ende sich im Idealfall jeder wieder etwas mehr in den Fußball verliebt hat. Fußball berührt uns tief drinnen, und es liegt an jedem von uns, dass das so bleibt. Und dabei will ich helfen. Meistens klappt das."
Dein Programm befasst sich nicht nur mit Fußball auf dem Platz, sondern auch mit Fankultur. Was fasziniert Dich an den Menschen auf den Rängen vielleicht sogar mehr als am eigentlichen Spiel?
"Die Entwicklung des Fußballs der letzten Jahre und Jahrzehnte zeigt uns, dass man zwar theoretisch ganz ohne Fans Fußball spielen kann, sogar auf höchstem Niveau, aber dass der Fußball letztlich nicht viel Wert ist, wenn er nicht von Leidenschaft und Emotionen getragen wird. Ohne Fans ist Fußball nur ein Spiel, das an- und später wieder abgepfiffen wird und dann halt vorbei ist. Mit der Begeisterung von den Rängen wird er für viele Menschen zu einem Kulturgut, das uns im Idealfall unser Leben lang begleitet. Und das geht nie vorbei."
Gerade vielleicht in bewegten Zeiten wie diesen: Welche gesellschaftliche Bedeutung hat der Fußball aus der Zeit?
"Wir leben in einer Zeit, in der viele Werte und Haltungen verschwimmen und vieles an Wert verliert. Auch wenn uns viele Entwicklungen des Fußballs nicht behagen, ist er immer bei uns, wenn wir das wollen. Fußball kann ein Fixpunkt im Leben sein, und wenn auch manchmal die Gegenwart unseres Vereins keine Freude macht oder die Zukunft trübe aussieht, hat der Fußball uns in unserem Leben viele Dinge gegeben, die nie wieder weggehen. Fußball kann gigantische Gefühle in uns säen, die uns unser Leben lang die Welt bedeuten und die alle Menschen verbinden, die zur gleichen Zeit am gleichen Ort das gleiche Spiel erlebt, erlitten oder bejubelt haben. Es gibt wenig Dinge, die uns unser Leben lang begleiten können. Der Fußball ist eines davon."
Du beschäftigst Dich seit Jahrzehnten mit Fußball und hast dabei unzählige Vereine und ihre Geschichten kennengelernt. Frank Schmidt und Du seid Euch in den letzten Jahren schon häufig begegnet, oder?
"'Häufig' wäre übertrieben, aber letztlich machen er und ich unsere jeweiligen Jobs schon sehr lange. Da ist es folgerichtig, dass man sich irgendwann gegenseitig wahrnimmt und im Idealfall auch schätzt und mag. Ich glaube, das ist bei uns passiert. Meine Fernsehsendung gibt es seit August 2007, Frank hat sein Traineramt in Heidenheim fast zur selben Zeit angetreten. Später haben sich unsere Wege gekreuzt, als sein Verein und mein SV Werder Bremen in der Relegation gegeneinander antraten und sich zwei Duelle auf Biegen und Brechen geliefert haben. Und in den letzten Jahren haben wir uns sehr kumpelig begrüßt und immer gefreut, wenn wir uns im Stadion begegnet sind. Ich habe einen sehr herzlichen Kontakt zu ein paar Trainern, die ich sehr mag und respektiere: Christian Streich, Jürgen Klopp, Thomas Schaaf, Hans Meyer … und Frank Schmidt passt super in diese Reihe."
Der FCH hat sich vom Amateurfußball bis in die Bundesliga gearbeitet: Was beeindruckt Dich an dieser Entwicklung besonders und wie nimmst du den FCH als Verein über die Jahre wahr?
"Der FCH ist ein Verein, der sehr eindrucksvoll etwas verkörpert, was ich immer schon und überall im Fußball mag: Kontinuität, Unaufgeregtheit, Fleiß, Bescheidenheit, Demut. Wenn man es schafft, all diese Tugenden mit Leben zu füllen, kann man aus sehr wenig sehr viel machen. Anderswo scheitern viele Vereine immer wieder an ihren eigenen Ansprüchen, weil sie sich insgeheim für besser halten als sie eigentlich sind. Am FCH mochte ich immer, dass sie dort die Bundesliga grundsätzlich als etwas Besonderes empfunden haben."
Du kommst zu einem Zeitpunkt nach Heidenheim, an dem nach dem Bundesliga-Abstieg ein neues Kapitel in der 2. Bundesliga beginnt. Was würdest du dem FCH und seinen Fans für diesen Neustart mit auf den Weg geben?
"Zunächst mal: Die Bundesligaerfahrung kann Euch keiner mehr nehmen. Die bleibt Euch für immer. Das Kapitel habt Ihr geschrieben. Ihr habt in Dortmund gepunktet, die Bayern geschlagen, durftet international spielen, habt gemeinerweise permanent gegen Werder Bremen gewonnen. Euch kann keiner mehr was. Der Abstieg war sicherlich nicht schön, aber der Verein hat ihn mit so erhobenem Haupt hingenommen wie kaum ein Verein zuvor. Und jetzt ist die 2. Bundesliga kein wirklicher Rückschritt. Sie ist ein Stück Normalität. Aber in Heidenheim wisst Ihr nun, dass Ihr Bundesliga könnt und dass es Sinn macht, das bald wieder erleben zu wollen. Sehr viele auch größere Vereine erreichen diesen Punkt nie. Seid stolz auf Euch, arbeitet weiter, dann werdet Ihr Eure Geschichte weiterschreiben."
Bild: Sigrun Strangmann